Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

 

Seit Montag hängt an einer Außenwand des LBK gut sichtbar für alle Schüler, Lehrer und Besucher ein gemeinsames Bekenntnis zu Mut und Toleranz – gegen Rassismus und Ausgrenzung. Im Rahmen einer Feierstunde wurde dem LBK das Schild und damit das Zertifikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ von Landrat Michael Makiolla übergeben. Nach einem musikalischen Auftakt von Veronika Biallas betonte Herr Makiolla in seiner Rede, als Vertreter des Kreises Unna stolz zu sein, dass das am LBK gezeigte Engagement nun mit diesem Titel belohnt werde. Man müsse gerade in Zeiten, in denen rechtsgerichtete Parteien aufzustreben versuchten, mit Ausdauer und Mut gegen Fremdenfeindlichkeit einstehen.


Voraussetzung für die Verleihung des Zertifikats  war neben Projekten zur Integration auch die Unterschriften von mindestens 70 Prozent aller am LBK Beteiligten: Schüler, Lehrer wie auch weitere Mitarbeiter hatten den Aufruf unterschrieben, der von engagierten Freiwilligen in die Klassen getragen wurde. Wie das ablief und warum sie sich für die Titelverleihung eingesetzt haben, erläuterten stellvertretend Halil Elitok und Carolin Leidecker. Anschließend entrollten sie ein großes Plakat, auf dem viele Gleichgesinnte symbolisch ihre „Hand drauf“ gaben, sich mit Courage gegen Rassismus zu stellen. Mit dem danach vorgetragenen russischen Lied „Tam net menja“ begeisterte Helena Schnell die etwa 300 anwesenden Schülerinnen und Schüler.


Um einen Überblick über die diversen Aktivitäten und Projekte zu bieten, wurde das Integrationskonzept von Dr. Uwe Wiemann, dem Koordinator für den Bereich Integration am LBK, in Grundzügen vorgestellt:

Das Integrationskonzept des LBK umfasst insgesamt 5 Schwerpunkte mit den unterschiedlichsten Projekten:

 


Sprachförderung

Sprache ist ohne Zweifel der Schlüssel für das Gelingen von Integration. Deshalb nimmt das LBK seit rund 2 Jahren am Modellprojekt des Kreises Unna als sog.  „Go-In-Schule“ teil. In Zusammenarbeit mit dem Multikulturellen Forum Lünen werden schulpflichtigen Jugendlichen, die ohne jegliche Deutschkenntnisse aus dem Ausland neu zu uns gekommen sind (z.B. als Bürgerkriegsflüchtlinge), tägliche Kurse im Bereich Deutsch als Fremdsprache angeboten.  


Am LBK gibt es viele Schülerinnen und Schüler am LBK, die einen Migrationshintergrund aufweisen (lt. Statistik ca. 25 Prozent). Obwohl sie vielfach in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen sind, haben einige dieses Jugendlichen besonders in der Schriftsprache Probleme, weil in ihrem familiären Umfeld vor allem die Muttersprache gesprochen wird. Aus diesem Grunde bietet das LBK für Interessierte und vor allem Motivierte ein internetbasiertes Förderprogramm „Deutsch als Zweitsprache“ an.
Um das Ganze auf eine breite Basis zu stellen, wird in allen Unterstufenklassen eine Förderung der Schriftsprachkenntnisse nach dem gutschrift-Konzept durchgeführt.  Das heißt konkret: individuelle Sprachförderung auf Basis eines Diagnosetests.

 

Lernunterstützung

Oftmals tritt das Problem auf, dass sich besonders Jugendliche, die aus finanziell schwach ausgestatteten Familien stammen, häufig keine Nachhilfestunden leisten können. Um diese soziale Ungerechtigkeit auszugleichen, wurde am LBK eine Schülerfirma gegründet, die die Nachhilfebörse „Schüler helfen Schülern“ organisiert. Dort bekommt jeder Schüler für wenig Geld Nachhilfe in einem Unterrichtsfach seiner Wahl.

 

Beratung, Gewaltprävention

Ebenso ernst genommen wie die Förderung wird am LBK eine individuelle Beratung und Betreuung der Schülerinnen und Schüler, sowohl im Übergang von Schule und Beruf  als auch bei persönlichen Problemen. Flankierend kommen Maßnahmen zur Gewaltprävention (z.B. das schulübergreifende  „Anti-Bullying“-Konzept nach Dan Olweus sowie die Streitschlichterausbildung und Mediatorentätigkeit) hinzu.

 

Sport

Das LBK bietet in diesem Schuljahr neben dem Unterricht in den üblichen Fächern erstmals auch das Unterrichtsmodul „Jungtrainer/in“, verbunden mit einer Schiedsrichterausbildung, an.  Das Projekt, das von Andreas Hermes organisiert und durchgeführt wird, ist in dieser Form einmalig in NRW. Ausgangspunkt dieses Projektes war die Feststellung, dass viele Jugendliche großes Interesse und viel Freude am Fußball haben, jedoch wenig Motivation für die Schule mitbringen.  Mit diesem Projekt wird nun angestrebt, die beiden Bereiche miteinander zu verbinden, um Lernmotivation, Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen der Schülerinnen und Schüler und gleichzeitig auch das Ehrenamt in den Vereinen zu stärken.

 

Schüleraustausch

Darüber hinaus bietet das LBK seinen Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Jugendliche aus anderen Ländern kennenzulernen und grenzüberschreitende Freundschaften aufzubauen. Der jährliche Schüleraustausch mit der Partnerschule, dem Lyzeum in Nowy Sacz, soll nur der Anfang sein. Weitere europäische Schulpartnerschaften  und Austauschprogramme werden zurzeit von Frau Krollmann und Herrn Przybilla vorbereitet.


Ein weiterer wichtiger Baustein des Integrationskonzeptes ist die jährliche Fahrt „Gegen das Vergessen“ nach Krakau. Dabei besuchen die Schülerinnen und Schüler das jüdische Viertel, die  Synagoge, die Schindler-Werke und vor allem das Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau. Das Zitat unseres Kollegen Hugo Becker, der sich sehr für diese Fahrten engagiert, bringt es vermutlich auf den Punkt: „Wer einmal in Ausschwitz war, kann kein Nazi mehr werden.“

Einige Schülerinnen und Schüler aus der „Go-In-Klasse“ hatten es sich nehmen lassen, ihre neu gewonnen Deutschkenntnisse zu demonstrieren, indem sie sich kurz vorstellten und Gruß- und Dankesworte an die beteiligten Deutschlehrerinnen sowie die Organisatoren des Kurses zu richten. Mutig stellten sie sich vor das Publikum und meisterten ihre Aufgabe mit Bravour.

Viele der Projekte, die im Rahmen des Integrationskonzeptes vorgestellt wurden, kosteten und kosten weiterhin Geld. Sie konnten nur umgesetzt werden, weil es Förderer und Sponsoren gab, denen eine Gesellschaft am Herzen liegt, die weltoffen und frei von Diskriminierung ist.


Wichtige Partner des LBK sind dabei der Bauverein zu Lünen sowie Pro Lünen e.V. , das die Schirmherrschaft über die Verleihungsveranstaltung übernommen hatte. Sowohl der Bauverein als auch Pro Lünen zeichnen sich durch ihr langjähriges wirtschaftliches und gesellschaftliches Engagement in und um Lünen aus, beide sind seit langer Zeit eng mit dem LBK verbunden. Viele Aktivitäten wie die Studienfahrt nach Krakau, die Lesungen von Sally Perel oder das Trainer- und Schiedsrichterprojekt wurden von ihnen finanziell unterstützt. Der Vorsitzende von Pro Lünen e.V., Hubert Tenberge, richtete einige freundliche Worte an die Gäste der Veranstaltung und munterte zum weiteren Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz auf. Er versprach, dass Pro Lünen e.V. dieses Engagement auch weiterhin unterstützten wird.


Anschließend konnte mit Kenan Kücük ein Mann begrüßt werden, der schon mit seinem Lebenslauf für Integration steht. Er bekam letztes Jahr von Hannelore Kraft den Verdienstorden des Landes NRW überreicht, weil er als Gründer des Multikulturellen Forums Lünen und als engagierter Mitarbeiter in vielen Gremien und Arbeitsgruppen für die Integration ausländischer Bürger steht und dabei Vorbildfunktion hat.


Deshalb baten wir ihn auch, Pate des LBK für „Schule ohne Rassismus“ zu werden. Das bedeutet natürlich nicht nur die Patenschaft am Tag der Titelübergabe, sondern eine dauerhafte, noch engere Zusammenarbeit zwischen dem LBK und dem Multikulturellen Forum.


Leider konnte der zweite Pate, Friedensaktivist und Holocaust-Überlebender Sally Perel, der schon mehrfach zu Lesungen seines berühmten Buches „Ich war Hitlerjunge Salomon“ am LBK war, nicht persönlich anwesend sein. Seine Grußworte und Glückwünsche zur Titelverleihung wurden von einer Schülerin verlesen.


Zum Ausklang trug Nadin Tanriverdi noch zwei Liebeslieder in türkischer bzw. spanischer Sprache vor. Sie bezauberte das Publikum mit ihrem melancholischen Vortrag und rundete so die kurzweilige Veranstaltung ab.


Die abschließende offizielle Enthüllung geriet kurios: Bei strömendem Regen ließ sich das verhüllende Tuch des auf ca. 3 Meter Höhe hängenden Schildes nicht entfernen. Kurzentschlossen kletterte der Vorsitzende des Bauvereins zu Lünen, Friedhelm Deuter, auf den Fenstersims, befreite das Schild und bewies damit sogar körperlich, dass man bereit sein muss, für Integration und gegen Rassismus aktiv Hürden zu überwinden.

Projektpate

    Sally Perel     

 

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