02.10.2017 09:45

Sally Perel mit bewegender Lesung zu Gast am LBK

Kategorie: Öffentlich
Erneut ist Sally Perel zu Gast am Lippe Berufskolleg Lünen gewesen, um den Schülern und Schülerinnen seine Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ vorzustellen. Nahezu 300 Schüler und Schülerinnen hörten in zwei Lesungen den Ausführungen Perels zu. Die Atmosphäre in dem Raum war konzentriert, viele Schüler und Schülerinnen waren ergriffen und emotional bewegt.

„Genau das sind die Augenblicke, die einem bewusst machen, was während der Zeit des Holocaust alles passiert ist. Dieses von einem Zeitzeugen zu hören, ist viel bedeutsamer und intensiver“, berichtet Norbert Mecklenburg, Regionaldirektor der Volksbank Lünen, der der Veranstaltung als Schirmherr beiwohnte. „Kein Fernsehbericht, kein gedrucktes Interview und auch kein Film schafft es, die Zuhörenden derart in den Bann zu ziehen, wie es hier und heute geschehen ist und dies ist für uns auch das ausschlaggebende Argument gewesen, diese Veranstaltung zu unterstützen“, so Mecklenburg weiter.

Perel berichtet den Schülern und Schülerinnen von zehn glücklichen Kindheitsjahren in Peine, die in „seiner Erinnerung immer grün bleiben werden“ und betont, er habe seine deutsche Muttersprache immer gepflegt und sie bewahrt.
Für ihn und seine Familie folgt nach der Reichspogromnacht die Flucht vor den Nationalsozialisten nach Polen. Doch auch hier ist Familie Perel nur kurze Zeit in Sicherheit, diese endet am 01.09.1939 mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen. Bewegt und bewegend schildert er den Abschied von seinen Eltern, die ihn und seinen älteren Bruder, vor der Umsiedlung ins Ghetto Lodz bewahren, indem sie zum Aufbruch nach Ostpolen drängen. Vom Vater gesegnet, wird er von der Mutter mit den Worten „Du sollst leben“ verabschiedet. Diese drei Worte, so Perel, hätten ihn am Leben gehalten und er habe sie sich immer wieder ins Bewusstsein gerufen und die Worte der Mutter als Auftrag begriffen.

Offen und ehrlich erzählt er den Schülern und Schülerinnen von seiner Zeit als nationalsozialistischer Hitlerjunge, zu dem er wird, als die deutsche Wehrmacht ihn gefangen nimmt und er sich als Volksdeutscher ausgibt. Er lebt einige Zeit als deutsch-russischer Dolmetscher gemeinsam mit den Soldaten an der Front. Einige Zeit später kommt er nach Braunschweig in eine nationalsozialistische Eliteschule. Sally Perel berichtet davon, dass in seinem Körper bis heute der Hitlerjung Josef und der Jude Salomon leben und oft noch im Wettstreit miteinander leben. Er erzählt von seiner Angst vor der Entdeckung, „denn was dann passiert wäre, ist ja klar“, aber auch von der Faszination, die Teile der Ideologie auf ihn ausgeübt habe.

Aber Sally Perel spricht nicht nur über die Vergangenheit, sondern äußert sich auch zur gegenwärtigen politischen Situation in Deutschland und fordert die Schüler und Schülerinnen auf, wachsamer Bürger zu sein. „Ich hätte damals bei Kriegsende nicht geglaubt, dass es in Deutschland wieder zu Naziaufmärschen kommt“, führt Perel aus. Es sei unglaublich wichtig, so Perel, die demokratischen Werte zu leben und zu verteidigen.

„Mit der Lesung von Sally Perel haben wir eine weitere Veranstaltung gegen das Vergessen durchgeführt. Es ist uns wichtig ein Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung und für Toleranz und Respekt zu setzen und freuen uns sehr, dies gemeinsam mit der Volksbank und dem Kommunalen Integrationsbüro zu machen“, so Arno Franke, Schulleiter am Lippe Berufskolleg. „

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