01.03.2019 15:06

Mit „Manipoly“ zum Deutschen Lehrerpreis - Buchführung muss nicht langweilig sein

Kategorie: Öffentlich
Oft genug hört man, dass einzelne Unterrichtsfächer gähnend langweilig sind. Die klassische Buchführung macht hier leider keine Ausnahme. Viele Schülerinnen und Schüler sehen dieses Fach sogar als Inbegriff der Langeweile an und schalten spätestens nach einigen Wochen geistig ab.

 

 

  

 

 

 

Genauso erging es auch Kai Manique jährlich in der Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung am Lippe Berufskolleg Lünen. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich zu Schuljahresbeginn noch mit Begriffen wie „Inventur“ und „Inventar“ halbwegs interessiert auseinander, welche sie z.B. durch Nebenjobs kannten. Wenn es aber um Geschäftsfälle und Buchungssätze ging, schalteten viele immer mehr ab und da alle Themenbereiche aufeinander aufbauen, wurden die Wissenslücken immer größer und die Frustration bei den Lernenden wuchs über das Schuljahr immer weiter an.

Um dieser Situation aus dem Wege zu gehen, entschied sich Herr Manique vor knapp zwei Jahren einen alternativen Weg einzuschlagen. Er erstellte neue Arbeits- und Informationsmaterialien, die sich inhaltlich an die eingeführten Schulbücher orientierten und griff nach einem alten Monopoly-Spielbrett.

Da Monopoly eines der beliebtesten Gesellschaftsspiele Deutschlands ist und gleichzeitig viele Facetten der kaufmännischen Buchführung abdeckt, fing Herr Manique nun an, eigene Spielfelder zu erstellen, die entsprechend der Lehrpläne unterschiedliche Themengebiete behandelten.

Und der Lernerfolg ließ nicht lange auf sich warten. Waren die Schüler zunächst noch verhalten und wunderten sich, als sie mit Spielkarten, Würfeln und Spielfeldern im Unterricht konfrontiert wurden, entwickelten sich nun Lerngruppen, die auch schwierige Themenfelder zügig verinnerlichten und ohne langwierige Hilfestelllungen richtig behandelten.

„Dauerte es früher mehrere Schulstunden, Schülerinnen und Schülern beispielsweise die Gewinn- und Verlustrechnung zu erklären und das so, dass es auch noch länger im Kopf blieb als bis zur Pausenglocke, sind die Schülerinnen und Schüler jetzt nach einer guten halben Stunde dabei, mich zum Pult zu bitten, damit ich sie nicht weiter störe.“, schmunzelt Herr Manique heute.

Auch die Klausurleistungen sorgen in der Zwischenzeit nicht mehr für Bauchweh bei allen Beteiligten. Waren Schülerinnen und Schüler früher glücklich, wenn irgendwie noch ein „befriedigend“ unter ihrer Arbeit stand, hat sich auch hier ein positiver Konkurrenzkampf entwickelt. Die schulischen Leistungen haben sich deutlich verbessert. Lag der Notenspiegel früher im Schnitt zwischen 3,9 - 4,5, liegt er heutzutage bei 2,0 - 2,5, da sich die Schülerinnen und Schüler untereinander antreiben und den oft nicht ernstgemeinten Konkurrenzkampf um die besten Noten auch in die Klausurphasen mitnehmen.

Und das Erfolgsgeheimnis? Der Unterricht wurde spielerisch und binnendifferenziert aufgebaut. Behandelten die Schülerinnen und Schüler am Schuljahresanfang noch gemeinsam die Grundlagen der Buchführung, hört dies spätestens nach der zweiten Klausur auf. Lernende, die bei einfachen Buchungsaufgaben noch Schwierigkeiten haben, bleiben in der ersten von drei Stufen, um ihre Defizite abstellen zu können.

Schüler, die hier keine Probleme hatten, wechseln dann in die zweite Themenstufe und werden nun mit schwierigeren Aufgaben konfrontiert. Abgehängt ist durch diese Aufteilung niemand. Die bereits fortgeschrittenen Schülerinnen und Schüler unterstützen ihre Mitschüler als Tutoren, genauso steht Herr Manique stets für Fragen bereit, wenn mal eine Buchung daneben geht. Durch „Updateaufgaben“ können Schülerinnen und Schüler auch zu einem späteren Zeitpunkt in die nächsthöheren Spielstufen aufsteigen, in denen sie dann durch ihre dortigen Spielpartner im Lernen unterstützt werden.

Neben Herrn Manique haben auch seine Kollegen Frau Krollmann und Herr Hermes dieses Spiel für sich entdeckt, sodass nun die gesamte Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung dieses Lernspiel im Unterricht erprobt. Im kommenden Schuljahr soll "Manipoly" zudem bei den Kaufmännischen Assistenten und der Höheren Handelsschule für Wirtschaft und Verwaltung erstmals zum Einsatz kommen.

Und das nächste Ziel? Das nächste Ziel ist neben einer breiteren Nutzung am LBK nun auch der Weg nach Berlin, um am Wettbewerb des Deutschen Lehrerpreises in der Kategorie 1 „Unterricht innovativ“ 2019 teilnehmen zu können, nachdem Herr Manique die Erlaubnis bei dem Rechteinhaber Hasbro eingeholt hat, mit einem Spiel dort anzutreten, was auf dem klassischen Monopoly aufbaut.

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