19.03.2018 14:12

Kurt Glodny besucht unser Berufskolleg

Kategorie: Öffentlich
So war es- unter diesem Buchtitel hat der 89-jährige Kurt Glodny, der in Oberschlesien geboren wurde und heute mit seiner Frau in Lünen-Brambauer lebt, seine Erlebnisse zusammengefasst.

 

 

 

 

 

 

 

Mit seinem Buch will er erreichen, dass die Menschen erkennen, wie Menschen manipuliert werden, zu welchen Untaten Politiker Menschen Menschen auffordern, zu welchen Verbrechen Menschen fähig sind. Der evangelische Religionskurs der Jahrgangsstufe 12 des beruflichen Gymnasiums von Frau Antje Steber hat den Autor zu einer Lesung eingeladen.

Zu Beginn forderte Kurt Glodny die Lerngruppe auf, sich konkret in die Zeit des Nationalsozialismus zu versetzen. Er erzählte sehr anschaulich, wie es den Nationalsozialisten gelang, insbesondere Kinder für das System zu begeistern. „Jeder strebte es an, im Jungvolk zu sein.“ Die Zeltlager in den Ferien dienten auch dazu, die Jugendlichen zu manipulieren.

Eindrücklich schildert er in dem Kapitel „Mein traumatisches Erlebnis am Gleiwitzer Bahnhof“, wie ihm als 12 - jähriger Junge erste Zweifel an den „guten Nationalsozialismus“ kamen.

Ein ungewöhnlicher Zug fuhr auf Bahnsteig drei ein. Es war ein langer Güterzug, er beanspruchte die ganze Länge des Bahnsteiges und bestand aus lauter Viehwagen. (...) Was hatte ein Zug mit Kühen, Pferden und Schweinen auf diesem Personbahnsteig zu suchen? Schnell merkte ich, es waren keine Tiere, es waren Menschen, die wie Tiere transportiert wurden. In den Luken der Waggons waren glatzköpfige Menschenköpfe zu sehen. (...) Waren es Verbrecher, waren es Kriminelle? Nein, es waren Menschen, normale Menschen, abgestempelt von Menschen als minderwertige Subjekte, die zum Leben in dieser Gesellschaft keine Berechtigung hatten.

Unter Tränen, derer er sich nicht schämt, liest er weiter.

Später habe ich erfahren, dass in diesen Zügen Jugen in das gar nicht so weit von Gleiwitz entfernte KZ Auschwitz gebracht wurden. (...) Völlig konsterniert von dem Anblick der aus den Luken der Viehwagen blickenden, um Wasser flehenden Menschen fand ich keine Erklärung. (...) Warum haben wir Hitlerjungen nicht begriffen, dass dort Verbrechen geschehen? Wir haben gesehen, wenn Menschen verhaftet wurden. Wir haben erlebt, wenn Fensterscheiben in der Christallnacht zertrümmert wurden. (...) Ich fühle mich mitschuldig an den Verbrechen, die an Menschen begangen wurden - von Menschen! Ich habe nichts getan, ich habe niemanden gequält. (...) Ich bin auch schuldig. Ich war jung, ich bin benutzt worden.

Neben Auszügen aus seinem Buch war es insbesondere eine Erinnerung, die die Lerngruppe zugleich nachdenklich und betroffen machte. Ich eineme kleinen Kästchen bewahrt er ein winziges Stück Brot aus dem Jahr 1945 auf. „Das haben meine Schwester und ich 1945 vor dem Einmarsch der roten Armee von unserer Mutter bekommen“, erklärt er. Als Symbol dafür, dass er und die Schwester immer genug davon haben sollen.

 

Stellvertretend für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler bedankt sich Lea Hintz bei Kurt Glodny, indem sie sagt: „Ich stimme Ihnen zu, dass Menschen in der Vergangenheit manipuliert wurden und auch in der Gegenwart werden Menschen manipuliert. Damit sich dies in der Zukunft nicht wiederholt, ist Bildung und Aufklärung unerlässlich.“ „Ein schöneres Kompliment kann man mir nicht machen. Ich freue mich, dass ich mit diesem Buch hierzu beitragen konnte“, sagt der Autor zum Abschluss einer mit viel Engagement und Herzblut vorgetragenen Lesung.

 

Digitaler Bildungspakt Lünen

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